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Cross

DeletedUser26018

Vorbemerkung:

Hallo erstmal,

Ich war vor einer Weile (mag ein Jahr her sein oder so) schonmal recht aktiv bei TW und hab auch immer gern den Lagerfeuerteil gelesen. Dann kam das RL und war zu wichtig, aber egal.
Jedenfalls bin ich nun wieder da und mir schwirrte auch schon länger so eine Westernstory im Kopf herum und nun stell ich sie halt hier vor. :)
Wie gesagt, ich hab die Stories hier schon immer gern gelesen und würde mich natürlich auch freuen, wenn hier jemand mitschreibt oder Ideen einbringt. Was mich aber zB bei The Treasure stört, ist dass auf den ersten Seiten schon zig verschiedene Charaktere eingeführt werden, die ohne roten Faden eher nebenher existieren. (disclaimer: Kann gut sein, dass das schon im Feedbackthread erwähnt wurde, den hab ich mir nicht auch noch durchgelesen)
Für "meine" Geschichte würde ich mir wünschen, dass sich eventuelle Co-Autoren zumindest schonmal Gedanken über eine grobe Linie machen würden, die "ihren" Charakter (die Charakterzeichnungen sind bei The Treasure teilweise echt genial gelungen :)) mit meinem Einstieg verbindet, so dass die interessanten Figuren im Ergebnis nicht nur ewig parallel existieren, sondern zusammengeführt werden. Ich hoffe, ich hab jetz niemanden abgeschreckt.


Und nun mein Einstieg:
(Feedback erwünscht :))

„Und wie noch?“


„Nur Cross.“


Der hagere Fremde namens Cross hatte gerade erst sein Pferd vor dem einzigen Saloon des verschlafenen Städtchens angebunden als ein kleiner älterer Mann mit einem Sheriffstern auf der Brust ihn nach seinem Namen fragte. Der Sheriff war von hinten an ihn herangetreten als er gerade seine Satteltasche nach dem langen Ritt inspizierte und redete los, ohne abzuwarten.


„Nun, mein Name ist Buck Otter und ich bin seit neunzehn Jahren der Sheriff von Oaksville. Über diese neunzehn Jahre habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, die wenigen Fremden, die den Weg hierher finden, zu begrüßen und darauf hinzuweisen, dass wir hier eine friedliche Stadt sind. Ich hoffe, Sie haben das verstanden, Mr. Cross. Was führt...“


In einer einzigen Bewegung, die man dem hochgewachsenen schlaksigen Fremden nicht zugetraut hätte, drehte er sich um, zog mit der rechten Hand seinen Colt, während er mit der Linken den auf Armlänge herangetretenen Sheriff zu Boden stieß und feuerte unmittelbar darauf in atemberaubender Geschwindigkeit drei Schüsse ab. Während der einzige unmittelbare Augenzeuge, Totengräber McWiffle, vorsichtig zwischen seinen Särgen hervorlugte, lud der Fremde bereits die drei leergeschossenen Kammern seines Colts nach und war damit fertig, bevor der Körper von Buck Otter im Staub vor dem Saloon zum Liegen kam. Als die ersten durch die Schüsse alarmierten Gäste eilig aus der Tür stürmten, kniete der Fremde mit ausdruckslosem Gesicht neben dem Körper des toten Gesetzeshüters und schrieb etwas in ein Notizbuch.


In den vierzig Jahren, die es Oaksville nun gab, hatte es einige Schießereien gegeben, auch ein paar hässliche Morde, damals während des Goldrauschs, aber noch nie so etwas wie heute. Der langjährige Sheriff lag im Dreck vor dem Saloon, mit zwei Einschusslöchern in der Brust und einem mitten in der Stirn, die rechte Hand ruhte noch auf dem Griff seines Revolvers, den er nicht mehr hatte ziehen können. Und sein Mörder kniete seelenruhig neben der Leiche und kritzelte ohne aufzublicken etwas in ein kleines Buch.
Von den herausgestürmten entsetzten Gästen des Saloons war es der alte Arzt „Doc“ Jenkins, der seine Sprache als erster wiederfand. Wie fast alle Gäste des Saloons hatte auch Jenkins an diesem Sonntagnachmittag keine Waffe dabei und versuchte es entsprechend vorsichtig.


„Sir?“


Der Fremde richtete sich auf und blickte Doc Jenkins lange aus seinen eisgrauen Augen an, während er das Buch in einer Tasche seines langen staubgrauen Mantels verstaute. Seine Hand ruhte auf dem Colt, als er zu Jenkins` Erleichterung nach unendlich scheinenden Minuten doch zu reden begann.


„Es war etwas persönliches. Ihr Sheriff war kein guter Mensch.“


Der Arzt ging neben Sheriff Otter in die Knie, sah aber sofort, dass dem Mann nicht mehr zu helfen war und blickte immer noch geschockt wieder zum Fremden auf.


„Er ist tot. Warum, warum haben Sie das getan, Sir?“


Cross` Blick schweifte umher. Alle starrten ihn an, wie er in seinem langen Mantel da stand, die Rechte immer in der Nähe des Revolvers. Auf einmal fixierte er den immer noch knieenden Dr. Jenkins.


„Wie gesagt, Ihr Sheriff Otter – oder wie er sich hier genannt hat – war kein guter Mensch. Er hätte es kommen sehen müssen. Wissen Sie, ob das Hotel hier noch ein freies Zimmer hat, Doc Jenkins?“


Die Frage riss den immer noch geschockten Doc Jenkins wieder zurück in die Realität und nachdem er sich aufgerichtet hatte machte er sich zum ersten Mal ein Bild von dem Fremden.
Mindestens 1,90m groß, dabei spindeldürr, in staubig-verdreckter, aber hochwertiger Kleidung stand er vor ihm. Das war definitiv kein junger Bursche auf einem Rachefeldzug aus Liebe wie er schon einige gesehen hatte. Der Mann, der da vor ihm stand war älter als diese Heißsporne. Und der Fremde hatte sofort erkannt, dass er Doc Jenkins war.

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@Dave Fox:
Wer is eigentlich dieser Kele in deiner Sig? :p
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

DeletedUser13032

Liest sich ziemlich gut der Teil, mehr :p

Klasse, dass du wieder zurück bist kele!
 

DeletedUser26018

Es war viele Jahre her seit Phillip F. Jenkins den Beruf gewechselt hatte, in den fast vergessenen Ort gezogen war und sich erst als Tier-, dann auch als Zahnarzt und schließlich als Allgemeinmediziner bei den wenigen verbliebenen Einwohnern einen Namen gemacht hatte. Nun stand er neben der Leiche des Mannes, dessen Ruf er damals hierher gefolgt war und hörte abwesend seiner eigenen Stimme zu, die eher reflexhaft und mechanisch antwortete.


„Fragen Sie Matt Jarvis im Saloon. Da ist eigentlich immer was frei.“


Der Fremde ließ den Arzt ohne ein weiteres Wort stehen und ging vorbei an den erstarrten Gästen in den Saloon. Doc Jenkins blieb dagegen noch minutenlang wie angewurzelt stehen und starrte scheinbar gedankenverloren abwechselnd auf die schwingende Saloontür und den leblosen Körper des Sheriffs, bevor er plötzlich energisch den Kopf schüttelte, mit schnellen Schritten die Straße überquerte und auf sein Haus zuging, das dem Saloon direkt gegenüber lag.
Dort angekommen ging er zuerst zu einem Regal in seiner Praxis im Obergeschoss. Er hatte dieses Regal eine Ewigkeit nicht mehr beachtet, dennoch nahm er jetzt zielgerichtet eine Flasche und ein Glas heraus und stellte beides auf den massiven Tisch, hinter dem er normalerweise seine Patienten empfing. Jenkins ließ sich in seinen Sessel sinken, goss das große Glas randvoll und stürzte es in einem Zug hinunter. Anschließend begann er zu überlegen, woher der Fremde ihn kennen konnte.


Im Bürgerkrieg hatte Jenkins im Süden gedient und dabei eine Menge üble Dinge getan und noch üblere gesehen. Als sich die Niederlage abzeichnete, hatte er sich weit nach Westen abgesetzt und die vorbeiziehenden Glücksritter beim Pokern ausgenommen, nachdem er selbst sein Glück als Goldgräber versucht hatte und schnell eingesehen hatte, dass da für ihn nicht viel zu holen war. Dem kurzen Intermezzo als Bandit war danach auch kein Erfolg beschieden und dann war er irgendwann von einem alten Bekannten aus dem Krieg angesprochen worden, der sich jetzt Otter nannte. In Oaksville würde dringend ein Tierarzt gebraucht und Jenkins hatte sich im Krieg unter anderem um die Pferde gekümmert. Er nahm das Angebot an, weil er schon lange genug vom Töten und Betrügen hatte und endlich irgendwo sesshaft werden wollte. In den vielen Jahren in Oaksville versorgte er schließlich nach Pferden und Rindern auch kaputte Zähne, Knochenbrüche und Schusswunden und wurde so mit der Zeit zu Doc Jenkins.
Doch so lange er sein Leben auch vorbeiziehen ließ, einem wie dem Fremden war er nie begegnet.


„Sie brauchen nicht länger grübeln. Sie kennen mich nicht, Jenkins.“


Der Arzt hatte nicht mitbekommen wie sich die Tür zur Praxis geöffnet hatte. Diesmal erstarrte er nicht, er hatte damit gerechnet, auch wenn er nicht wusste wieso. Da stand der Fremde und noch bevor Jenkins antworten konnte, warf ihm der Mann in der Tür einen Schlüssel zu und begann zu reden.


„Schließen Sie die Schublade auf und legen Sie Ihren Colt auf den Tisch, Sie brauchen ihn nicht, denn ich bin nicht hinter Ihnen her, Jenkins. Und so angerostet wie das Ding ist, treffen Sie ohnehin keinen Stall, nicht einmal wenn Sie drinnen stehen.“


„Also was wollen Sie? Mir einen Vortrag über die sachgemäße Instandhaltung von Schusswaffen halten? Doch wohl eher nicht.“

Der Arzt war selbst über seine forschen Worte erstaunt, tat aber was Cross wollte. Gleichzeitig spürte er, wie sich in sein Entsetzen über den Mord am Sheriff eine gehörige Portion Wut mischte. Der Mann war also nicht nur eiskalt, er war offenbar auch schon vorher in seinem Haus gewesen.


Eher beiläufig antwortete ihm der Fremde, während er sich auf den Stuhl vor Jenkins´ Tisch setzte.


„Ich war bis vorhin auf der Suche nach einem Mann, der sich seit einigen Jahren Buck Otter nannte. Aber das war nicht sein richtiger Name. Ihr Sheriff war vor langer Zeit unter dem Namen "Lucky" Logan unterwegs und tun Sie bitte nicht so, als ob Sie das nicht gewusst hätten, Doc.“


Jenkins griff erneut nach der Flasche, goss sein Glas erneut bis an den Rand voll mit Whiskey und leerte auch dieses in einem Zug.


Lucky Logan? Das konnte nicht sein. Der Fremde musste sich irren.


tbc
 

Jigelp

Wildwest-Legende
The-West Team
Klasse geschrieben. Bin gespannt, ob sich daraus ein Gemeinschaftsprojekt entwickeln kann.
 

DeletedUser26018

Klasse geschrieben. Bin gespannt, ob sich daraus ein Gemeinschaftsprojekt entwickeln kann.

Danke. :)

Im übrigen bin ich da auch gespannt. Morgen bzw. heute folgt noch der letzte Teil der rahmengebenden Einleitung und dann dürfen die Charaktere gerne weiterentwickelt werden. Ich hab zwar die grobe Geschichte (sie hat ein Ende, weil ich Endlosgeschichten nicht wirklich mag) im Kopf, lass mich aber gern auf Abwege führen. ;)
 

DeletedUser26018

So. Ein. Dreck. :mad:

Mein Notebook mit Handlungsgerüst und den fertigen nächsten zwei Kapiteln hat es vor ein paar Tagen zerschossen. Ersatz hat etwas gedauert. Jetzt muss ich erstmal meine Gedanken zusammen nehmen. Es geht aber definitiv weiter. Kann Cross und den Doc ja nicht versauern lassen. :)

note to self: wieder mehr auf Papier schreiben.
 

DeletedUser26018

Matt Jarvis stand hinter seinem hölzernen Tresen und tat was er immer tat. Er schenkte billigen Whiskey an die wenigen Gäste aus, die sich noch in seinen Saloon verliefen. Da stand der uralte Totengräber McWiffle, gebeugt wie eine alte Weide und doch mit flinken, wachen Augen. Neben ihm hob Saville sein Glas, der Gernegroß und Händler der Stadt, niemand mochte den dicken und arroganten Saville, wegen seiner Wucherpreise und seiner schmierigen Art, aber allen war das gerade egal. Neben ihn reihten sich noch ein paar andere Bürger der Stadt auf, alle in sich versunken, denn nicht wenige wussten, dass ihr nun gewesener Sheriff eine dunkle Vergangenheit gehabt hatte.

Etwas abseits stand der junge Reverend Hoffmann, ein Deutscher, der erst vor kurzem die undankbare Aufgabe übernommen hatte, den Einwohnern der Stadt bei Geburten, Hochzeiten und Todesfällen beizustehen. Doch auch er stierte jetzt nur in sein Glas billigen Whiskeys und fragte sich, warum ihn Gott nur in dieses Kaff geführt hatte, das so sicher ausstarb, wie die Eisenbahn jeden Tag nach Westen fuhr und dabei einen großen Bogen um die Stadt machte.

Ironischerweise war das exakt der gleiche Gedanke, der auch Lilly durch den Kopf ging, die ihre Mädchen sofort nach oben auf ihre Zimmer geschickt hatte, nachdem sie den ersten Schuss gehört hatte, selbst aber unten im Saloon geblieben war und nun ebenfalls mit angewidertem Gesicht den billigen scharfen Schnaps herunterkippte, der in einem dreckigen Glas vor ihr stand. Sie hatte es Matt hundertmal gesagt, aber der hielt das Abwaschen der Gläser für Verschwendung.

Das Schild vor dem Sallon versprach "Die beste Unterhaltung durch Gesang, bezaubernde Mädchen und allerfeinste Getränke." und sie hatte Jarvis schon oft damit aufgezogen, dass davon nur sehr wenig wahr war. Und seit ein Betrunkener versehentlich den einzigen Pianisten erschossen hatte sah es damit nochmal ein ganzes Stück trauriger aus.

Nun war ihr Wille, endlich aus diesem Dreckloch namens Oaksville herauszukommen noch stärker geworden. Endlich heraus aus dieser Beinahe-Geisterstadt im Nirgendwo, das seinen Namen einem Durchreisenden verdankte, der vor langer Zeit im Saloon ein Ass zu viel im Ärmel gehabt hatte, daraufhin mit einem Loch in der Brust endete und in dessen Kutsche man ein Schild mit der Aufschrift "Oaksville - Pop: 413" gefunden hatte. Man war hier damals wie heute pragmatisch, hatte die Einwohnerzahl korrigiert und das Schild einbehalten und am Ortseingang aufgestellt.

Und sie hatte den Fremden erkannt. Aber das war egal. Cross hatte mit Sheriff Otter den Mann erschossen, der die Macht gehabt hatte, sie hier zu behalten. Morgen würde die Postkutsche einen ihrer seltenen Stopps einlegen. Und sie hoffentlich mitnehmen. Beim Herunterstürzen ihres Glase dankte sie ihm in Gedanken, ob er mitkam war ihr egal.

[offen gestanden eher eine Platzhalterepisode, um ein paar Charaktere einzuführen und nicht völlig aus dem Stoff zu geraten ;)]
 

Jigelp

Wildwest-Legende
The-West Team
Das muss auch sein und ich finde den Abschnitt sehr gelungen. Deine Art zu schreiben ist einfach klasse.
 

DeletedUser26018

Das muss auch sein und ich finde den Abschnitt sehr gelungen. Deine Art zu schreiben ist einfach klasse.
Hmm, danke. Inhaltlich ist es das was ich mir vorgestellt habe. Stilistisch gibt es mindestens einmal zu viel "billig"... Ich sollte nach drei Uhr morgens das Forum meiden. :)
 

Oklahoma-Bill

Hallo Silentsinner,

bis hierher ein herrliches Stück Arbeit! Die Charaktere sind glaubwürdig und interessant eingeführt. Die Geschichte ist schlüssig. Deine Anspielungen auf den Saloon und seinen Besitzer, sowie die anderen Städter, machen deine Geschichte lebendig und geben ihr einen Schuss Ironie mit auf den Weg! Eine lesenswerte Geschichte. Einfach toll!

Änderuns- oder Verbesserungsvorschläge: keine!

Ich freu mich auf mehr von dir!

See you,

Oklahoma-Bill