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Des Vogels TV Tips

Apropos KI:

Ich hab gestern "Mercy" auf Prime gekuckt und man fragt sich unwillkürlich (schon nach 5 Minuten), wie die Amazon MGM Studios es nur fertig bringen, nach dem überragenden Gewinner der goldenen Himbeere für "War of the Worlds" gleich noch so einen Kotzkracher draufzulegen.

Meine Fresse...

Nein, kein Tip :(
 
Wohlan, nun denn, meiner Treu und heidewitzka, Herr Kapitän, es wurde also "Der Astronaut" (engl.: "Projekt Hail Mary" ... weißte, wenn ich als erklärter American-Football-Hater schon weiß, was eine "Hail Mary" ist, dann musst Du das nicht komplett sinnfrei übersetzen :rolleyes:).

(...) die Wahl zwischen Tränendrüsen-SciFi ("Project Hail Mary") und Irrsinns-SciFi und hab mich dann für den Irrsinn entschieden.

Direkt mal eins vorweg: der Film drückt erschreckend wenig auf die Tränendüse, eigentlich so gut wie gar nicht, das war eher eine Komödie. Mir manchmal zuviel des lustigen Guten, aber immerhin gerade noch so nicht dermaßen überdosiert, dass es ins Lächerliche abdriftet.



Worum geht's: der Biologielehrer Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht langharig, langbärtig und erstmal komplett orientierungslos aus dem Tiefschlaf in einem Raumschiff. Er findet zwei weitere Besatzungsmitglieder, die aber während der Kryostase wohl gestorben sind. Ein paar grobmotorische Stürze später kann er sich zumindest halbwegs unfallfrei mit dem Bordcomputer unterhalten, der ihm erzählt, dass er sich ca. 12 Lichtjahre von der Erde entfernt im Tau-Ceti-System befindet.

In mehreren Rückblenden erfährt man dann auch, wieso: vor einiger Zeit entdeckte eine Forscherin einen Infrarot-Strahl zwischen Sonne und Venus und benannte den nach sich selbst: den Petrova-Strahl. Und dieser Strahl besteht aus Mikroorganismen, den sogenannten "Astrophagen", die sich schneller vermehren als handelsübliche Kölsche Karnickel zu Karneval. Das Problem dabei ist, dass die Dinger der Hitze der Sonne widerstehen können und sie verdunkeln, was auf der Erde in spätestens 30 Jahren eine Abkühlung der durchschnittlichen Temperatur von 15°C zur Folge hätte. Klingt erstmal gar nicht so bedrohlich, bedeutet in Wirklichkeit aber: welcome, Ice Age! Optimistischen Schätzungen zufolge würde das ein Viertel der Weltbevölkerung das Leben kosten, aber auch nur, wenn alle Staaten zusammenarbeiten, die Industrie auf Gewinne verzichten würde etc. Man kann also eher von der Hälfte der Weltbevölkerung ausgehen.

Also schauen sich die Astronomen um und entdecken, dass so ziemlich alle Sterne von den Astrophagen befallen wurden, alle bis auf den im Tau-Ceti-System. Also beschließt man, ein Raumschiff dorthin zu schicken, um herauszufinden, warum die Sonne dort nicht infiziert ist. Der Biolehrer wurde ausgewählt, weil er einige Ansichten vertrat, die entgegen der landläufigen wissenschaftlichen Meinung stehen, so zum Beispiel, dass Leben nicht zwingend auf Wasser basieren muss. Durch einen Unfall sterben die als Insassen vorgesehenen Wissenschaftler, also nimmt er einen der freien Plätze ein ... gezwungenermaßen. Er entdeckt vorher noch, wie man diese Astrophagen züchten kann, es wird ein Antrieb erfunden, der mit Astrophagen läuft, und der treibt halt das Raumschiff an. Es werden nur nicht genug Astrophagen gezüchtet, so dass das Raumschiff nur ein One-Way-Ticket bietet. Die ganze Aktion ist ein reiner Verzweiflungsakt, der Griff nach dem letzten Strohhalm ... eine "Hail Mary" also.

Bevor Grace überhaupt weiß, was wirklich Sache ist, ploppt neben ihm auch schon ein anderes Raumschiff auf, das anscheinend aus Mikado-Stäbchen zusammengekleistert wurde. Ein röhrenfernsehergroßes Steinwesen mit fünf Beinen entsteigt ihm, Grace freundet sich mit ihm an, nennt es "Rocky" und beginnt mit ihm zu kommunizieren. Grace zeigt Rocky eine Uhr, Rocky zeigt Grace eine, die passenden Laute gibt er dann in sein Laptop ein, so dass er im Laufe der Zeit ein ziemlich großes Vokabular gesammelt hat, wodurch der Schlepptop Rockys Laute in Sprache übersetzen kann und umgekehrt. Grace findet heraus, dass Rocky aus demselben Grund ins Tau-Ceti-System geschickt wurde, weil nämlich die Sonne bei "40 Eridan" (ca. 17 LJ von der Erde entfernt) sich ebenfalls wegen der Astrophagen verdunkelt. Und auch die "Eridianer", wie Grace sie nennt, haben einen Antrieb entwickelt, der mit Astrophagen läuft. Zusammen suchen sie also für eine Lösung des Problems, was ein wenig dadurch behindert wird, dass der eine in der Atmosphäre des anderen nicht überleben kann, aber mit Raumanzügen kriegen sie's hin.



Beide Regisseure (Chris Miller und Phil Lord) zeichnen für den 2012 erschienenen Schund "21 Jump Street" verantwortlich ... aber die Buchvorlage kam von Andy Weir, dessen anderer Roman "Der Marsianer" 2015 ziemlich genial von Ridley Scott in laufende Bilder umgesetzt wurde.

Der Cast besteht hauptsächlich aus Ryan Gosling, Sandra Hüller (wer ist das? Ich und deutsche Schauspieler ... :rolleyes:), Ryan Gosling, und ich glaube, ich hab Ryan Gosling vergessen. In Nebenrollen gibt's dann noch Ken Leung und Lionel Boyce zu sehen ... aber hauptsächlich halt Ryan Gosling und ein Muppet-Steinwesen. Durch "Rocky" und eben die zahlreichen Rückblenden "verkommt" das aber nicht zu so einer (zugegebenermaßen eindrucksvollen) One-man-Show wie "Moon" damals 2009 mit Sam Rockwell, als Zuschauer fühlst Du keinerlei Einsamkeit des Protagonisten.

Der Score ist ... sagen wir mal: gewöhnungsbedürftig. Der Score klingt wie Hans Zimmer, wenn man ihm seinen Modularsynthesizer wegnimmt und ihm stattdessen ein Casio-Keyboard aus dem Jahr 1993 gibt. Daniel Pemberton kann’s bewiesenermaßen besser, aber hier klingt er, als hätte er die Musik zwischen zwei Zoom-Meetings auf dem Handy komponiert.

Schauspielerisch ist das gar nicht wirklich zu bewerten. Ryan Gosling macht so ein bisschen auf "The Nice Guys" (2016) ... das ist wirklich alles andere als schlecht, außerdem sehe ich ihn wirklich gerne. Der Rest des Casts hat bis auf Sandra Hüller einfach zu wenig Screen-Time, und die spielt, als hätte man Angela Merkel in ein NASA-Kostüm gesteckt und ihr gesagt: "Mach mal Wissenschaft, aber streng." Sehr deutsch also.

Rocky selbst ist größtenteils eine Puppe, aber eine verdammt gute. In Szenen, bei denen es nicht anders ging, wurde auf CGI zurückgegriffen, aber auf verdammt gutes. Im Grunde genommen ist Rocky exakt so, wie man sich solch ein Wesen auf der Leinwand wünscht, nämlich real, anfassbar und von CGI unterstützt statt ersetzt, und Rocky macht auch einen Großteil des eigentliches Charmes des Films aus. Denn weder ist er geradezu lächerlich albern wie Jar Jar Binks, noch ein reines CGI-Wesen wie Groot, sondern eine echte Persönlichkeit. Rocky ist die Art von Alien, die Hollywood seit 30 Jahren nicht mehr hinbekommen hat: nicht süß, nicht gruselig, nicht albern ... sondern glaubwürdig.

Drehbuch ist gelungen, Dialoge sind ... uff ... hart auf witzig getrimmt manchmal. Der Film ist eher wie eine Art Slapstick/Sitcom-"Armageddon" (1998)-Cover denn Michael-Bay-Kopie. Er hat seine rührenden, ernsten Momente, die aber auch Sekunden später durch irgendeinen Gag wieder reguliert werden ... im Grunde genommen, wenn man den Film in seine Einzelteile zerlegt, würde mich keiner dieser Teile dazu hinreißen lassen, einen Kuck-Tipp auszusprechen, weil alle Teile irgendwie "nur" mittelmäßig sind, und man sich multipliziertes Mittelmaß als nichts anderes als als weiteres, größeres Mittelmaß vorstellen kann, aber - und das nennt sich jetzt "Filmmagie" - in seiner Gesamtheit ist der Film schlicht und ergreifend richtig, richtig gut! Und irgendwie kannst Du Dir den Film auch gar nicht anders vorstellen also exakt so, wie er jetzt zu sehen ist. Ein paar Gags hätte man auslassen können oder ändern, aber zu wenig hätte dem Film nicht gutgetan, noch mehr allerdings erst recht nicht. Weniger Slapstick, und er wäre mittelmäßig geworden, weniger Sitcom, dito. Ryan Gosling als Fahrer in "Drive" (2011) oder gar als "Blade Runner 2049" (2019) hätte nicht funktioniert, Hanz Zimmer hätte den Score zu wagneresk gestaltet ... der Film ist genauso, wie er jetzt eben ist, großartig, großes Kino. Und Du kommst aus dem Kino raus und hast seit langer Zeit endlich mal wieder einen Feel-Good-Film gesehen, der Dich fast durchgängig schmunzeln ließ.

Er ist nicht "Der Marsianer 2" oder "Interstellar Reloaded" oder "Arrival for Beginners" ... eher "Lethal Weapon 3" (1992) im Weltraum mit Gosling und 'nem Stein-Fraggle als Duo.

Absoluter Kucktipp für die, die wie ich die letzten Jahre "Filmmagie" schmerzlich vermisst haben. :up:
 
Gerade gesehen:

Seit heute gibt es auf Netflix ALLE Wrestle Manias! Ich bin ja nun kein WWE-Fan, aber da ist bestimmt der eine oder andere Kuck-Tip dabei. Und das beste: Mit Original Kommentar!

:up:
 
Hier, ich, Amazon Alex Optimus Prime Video, hatte geladen. Und zwar auf Geheiß von Video-Viktor … der Kerl hat manchmal echt ein Händchen. Weil "Kitchen Impossible" vorletzte Woche ohne Tim Mälzer aber dafür mit Niveau lief … naja, Vox hat seinen Fehler schnell eingesehen und reguliert, diesmal also wieder mit der brunsbüttelblöden bulligen Bulette, egal. Jedenfalls sollten wir stattdessen alle auf Prime "Kill me again" sehen … und jetzt krieg auf einen Sonntag mal Bier und Chips … wie gut, dass ich immer vorbereitet bin *hicks*. Wo war ich? Genau: "Kill me again". Aber jetzt nicht der Neo Noir von 1989 mit Val Kilmer, Joanne Whalley und Michael Madsen, nö, einer mit Brendan Fehr ("Roswell"), Majandra Delfino ("Roswell") Raoul Trujillo (überraschenderweise nicht "Roswell", dafür aber "Mayans MC") aus dem Jahre 2025. Regie führte der ganz offensichtlich bekennende "Roswell"-Fan Keith Jardine, ein Mann, der normalerweise Probleme löst, indem er Menschen im Oktogon in den Boden tackert und draufhaut. Und wenn ein Ex-MMA‑Kämpfer Regie führt, erwartet man eigentlich 100 Minuten Ground‑and‑Pound, stattdessen bekamen wir einen erstaunlich gut funktionierenden Zeitschleifenfilm.


Worum geht’s: Charlie (Fehr), der unter seinem Serienkillernamen "Midnight Mangler" berühmt und berüchtigt ist, geht spät abends in ein Diner namens "Killer Kafé" (alternativlose Namenswahl für ein typisch amerikanisches Diner, in dem Träume sterben und Cholesterin wiedergeboren wird), das von den typischen kaputten whitetrashigen Ami-Gestalten besucht ist. Seinem Drang gehorchend murkst er erstmal die Kaffee-Schubse Ana (Delfino) still und heimlich ab, entsorgt kurz ihre Leiche, will dann wieder ins Diner … zack … alles beginnt von vorne, denn er steckt in einer Zeitschleife fest.


Ich bin nicht ganz sicher, ob ich diese Prämisse nicht schonmal in einer "Outer Limits"-Folge gesehen hab … aber Serienkiller inmitten von Opfern in einem Time Loop … ich muss mich wohl einmal zuoft gestyled haben, denn das bringt mich zum Schmunzeln.


Und der Film ebenfalls. Zuerst geht Charlie natürlich seinem Drang nach, ermordet einen nach dem anderen ... wieder und wieder und erneut und nochmal … mal mit Messer, mal mit Pistole, mal auch etwas phantasiereicher, aber jedes Mal wird er danach zum Ausgangspunkt zurückgebracht, und alles beginnt für ihn (und seine Opfer) von vorne. Irgendwann ist er es leid, sich wieder und wieder und erneut und nochmal durchs Diner zu metzeln, also setzt er sich neben seine Opfer und lernt sie besser kennen … bevor er sie dahinmeuchelt. In einem Typen, der still in der Ecke sitzt und nicht spricht (Jardine himself), glaubt er, Gott zu erkennen, der ihm aber auch keinerlei Hinweise auf das "wieso" gibt … und so langsam verliert er auch sein bisschen Restverstand, denn er kann nicht schlafen, und Abmurksen ist manchmal echt kräftezehrend. Zwischendurch hält er sich auch selbst für Gott … schlichtes Serienkillergemüt halt. Jedenfalls erlebt der Mann mehr Neustarts als ein handelsüblicher DAU mit Windows 95,


Die Morde werden nicht zelebriert, da geht zB ein Ghost Face deutlich krasser zur Sache, und Art the Clown würd vor lauter Langeweile einschlafen, um von Freddy zu träumen. Viele Morde passieren auch nur im Off, bzw. wenn die Kamera gerade nicht aufs Opfer fixiert ist.


Schauspielerisch ist das ganze … hmm… ich hab schon deutlich Schlechteres gesehen, aber auch Besseres. Fehr spielt aber überraschend gut den Serienkiller, der langsam verrückt wird, auch wenn die ersten zehn Minuten aus der Dialog-Hölle für minderbemittelte Moviemurkser entnommen wurden … wirklich: am besten die ersten zehn Minuten den Ton ausschalten. Danach geht’s aber.


Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz, denn er hat so seine liebe Mühe und Not mit dem russischen Koch: er will Eier, der Koch spät abends aber kein Frühstück machen, und so beschließt der Midnight Starver, dem Koch seinen Essenswunsch einzuprügeln … und wie das in Zeitschleifenfilmen so ist, scheitert er, versucht es mit seinem neugewonnenen Wissen dann wieder und wieder und erneut und nochmal … und scheitert trotzdem im Nahkampf gegen den Koch und seinen Pfannenwender … wieder und wieder und erneut und nochmal … bis er ihn schließlich erschießt und sich selbst sein Rührei macht, welches ihn nach Genuss auch sofort zum Ausgangspunkt teleportiert … was tut man nicht alles für die wichtigste Mahlzeit des Tages? Das ist stellenweise wirklich herrlich anzusehen. Zeitschleifen-Filme sind ja oft philosophisch, das hier ist aber eher: "Wie oft kann mir der Koch noch die Fresse polieren, bevor ich wahnsinnig werde?"


Die Auflösung selbst ist tatsächlich unerwartet und nicht schlecht … oder war’s eine "Twilight"-Folge, in der ich die Geschichte schonmal so in etwa gesehen hab? Egal, Film hat Spaß gemacht, war tatsächlich mal eine andere Story als der branchenübliche Multiversum-Murks anderer Filmschaffenden. Da wird’s keine Oscars für geben, aber auch keine Himbeeren, denn das war und ist tatsächlich ein kleiner, fieser, schmutziger aber charmanter Zeitschleifen-Film für die ganze Familie (sofern volljährig, denn ganz ohne Gewalt und zwei oder drei Slasher-Szenen läuft das natürlich nicht ab, aber weder inflationär noch verherrlicht), der mehr Spaß macht, als er bei dem Cast eigentlich dürfte.

Kuck-Tipp! :up:

Und ich will jetzt Likes haben, weil ich mich so kurz gehalten habe, also: liked los! Jetzt. Sofort. Soforterer! :boone:
 
Juppi! Das hört sich doch lustig an!

Ich bin gerade am Münzenwerfen, ob ich mir wirklich viereinhalb Stunden am Stück "Kill Bill" ansehen soll oder nicht... puh, da braucht man ne Menge Sitzfleisch
 
Juppi! Das hört sich doch lustig an!

Ich bin gerade am Münzenwerfen, ob ich mir wirklich viereinhalb Stunden am Stück "Kill Bill" ansehen soll oder nicht... puh, da braucht man ne Menge Sitzfleisch

The Whole Bloody Affair? Ich frag mich ja, was da jetzt soooooo unglaublich anders sein soll, außer der soooooo unglaublichen und eingebauten Bequemlichkeit, die DVD einmal nicht wechseln zu müssen. :O

Soll ja nix anderes sein, als Teil 1 und 2 in einem ... selbst mein 3in1-Shampoo kann mehr.
 
Nicht ganz. Die neue Version hat durchgehend Farbe und keine S/W Szenen mehr die nötig waren um die geringere Altersfreigabe zu bekommen. Außerdem wurde Musik und weitere Details angepasst. Ich werde es mir auf jeden Fall ansehen.
 
Nicht ganz. Die neue Version hat durchgehend Farbe und keine S/W Szenen mehr die nötig waren um die geringere Altersfreigabe zu bekommen. Außerdem wurde Musik und weitere Details angepasst. Ich werde es mir auf jeden Fall ansehen.

Hm, aber gerade die S/W-Szenen waren doch ein richtig cooles Stilmittel, auch wenn es "erzwungen" war.

Ich sehe da jetzt keine Verbesserung, davon abzukehren.
 
Nicht ganz. Die neue Version hat durchgehend Farbe und keine S/W Szenen mehr die nötig waren um die geringere Altersfreigabe zu bekommen. Außerdem wurde Musik und weitere Details angepasst. Ich werde es mir auf jeden Fall ansehen.

Gibt's den Quatsch wirklich noch, dass man Szenen in S/W dreht, um Vorschriften bezüglich der Altersfreigabe umgehen zu können? :blink:


Hm, aber gerade die S/W-Szenen waren doch ein richtig cooles Stilmittel, auch wenn es "erzwungen" war.

Ich sehe da jetzt keine Verbesserung, davon abzukehren.

Japp! S/W als Stilmittel, zB für Rückblenden (wie unter anderem ja auch in Kill Bill) mag ich eigentlich. Oder schau Dir "Memento" (2000) an, der würde komplett in Farbe gar nicht funktionieren.

Hab aber auch gelesen, dass die 4-Stunden-Version jetzt auch noch einen Anime eingebaut hat ... wie beim Ultimate Cut von Watchmen (2009).
 
Ich hab vor ca. einem Monat einen Account bei einem Spiel erstellt, für das ich hier absolut keine Werbung machen möchte: aber mein Klingonen-Captain namens "Koe'bes" fliegt die "Hal've'Hahn" mit der Kennung "I.K.S. 4711-K" ... und ich kenn mindestens einen Düsseldorfer (mit irgendeinem martialischen Eigenlobhudelei-Namen) in dem Spiel. Aber zweimal ist es mir schon gelungen, eine kleine Ehrenrunde um ihn zu fliegen (seeeeeehr langsam) und Feuerwerk zu zünden (seeeeeehr bunt), wenn er in einer Schlacht verkackt hat. Also ich hab Spaß! :D

Egal ... Samstag wollen wir in "Nürnberg" ... und mit "wir" meine ich "die", ich wurde mal wieder überstimmt. Aber ich mag den alten Schinken von 1961, und gehe jetzt einfach mal davon aus, dass ich enttäuscht werde.
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Egal ... Samstag wollen wir in "Nürnberg" ... und mit "wir" meine ich "die", ich wurde mal wieder überstimmt. Aber ich mag den alten Schinken von 1961, und gehe jetzt einfach mal davon aus, dass ich enttäuscht werde.
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Vorweg: ich wurde nicht enttäuscht ... also was meine Annahme anging, dass ich enttäuscht werde. :(

Text folgt ... morgen oder so.
 
Nürnberg“ also … naja …


Vorweg: jeder Vergleich mit dem großen „Der Prozess von Nürnberg“ aus dem Jahre 1961 mit Spencer Tracy, Richard Widmark, Maximilian Schell und dem Rest, der aus dem Who-is-Who des damaligen Hollywoods gecastet wurde, hinkt schlimmer als Goebbels, nämlich beidbeinig, denn eigentlich ist nur das narrative Setting dasselbe. Ein Film über Nürnberg bzw. die damaligen Gerichtsprozesse gegen Nazi-Kriegsverbrecher trägt automatisch Verantwortung . Nicht nur für historische (und der Film wurde wohl nach original Gerichtsaufnahmen gedreht, das sollte man ihm zugute halten), sondern auch für moralische Präzision. Und man muss noch nicht einmal rechtsgedrallt unterwegs sein, um zu wissen, dass man einen ganzen Weltkrieg nicht nur mit „Wir: gut - Ihr: böse“ erklären kann oder gar darf. Es geht auch erst recht nicht darum, die Nazis und ihre Taten zu rechtfertigen oder sogar zu relativieren (um Gottes Willen!), sondern einzig und allein darum, die Geschichte ernstzunehmen. Und „Nürnberg“ tut das nicht im Ansatz!

Und wir decken auch das Mäntelchen des Schweigens darüber, dass Göring damals aufgrund von Beweisen verurteilt worden ist und nicht, weil er sich nicht von Hitler lossagte, wie es der Film suggeriert. Der Prozess bestand zu 99% aus Lesungen und Vortragen von etwas über einer Million Dokumenten, aber das ist ein Film, da muss man ja irgendwas Dramaturgisches draus machen, kann ich sogar verstehen.





„Nürnberg“ ist ein Film von James Vanderbilt, der davor nur bei einem einzigen Film Regie geführt hat, nämlich 2015 „Der Moment der Wahrheit“ … angesichts des damaligen Casts um Blanchett und Redford ein unverständlicherweise sehr unbekannter aber weiß Gott kein schlechter Film. Und jetzt führt er wieder Regie, und das bei keinem leichten Thema. Kriegsaufarbeitung bzw. Kriegsverbrechenaufbereitung, dafür musste 1961 schon einer der ganz Großen, nämlich Stanley Kramer geholt werden, heute reicht dafür ein einziger Film in der Vita eines Regisseurs, um sich dieses Themas widmen zu dürfen. Aber dem Regisseur Vanderbilt kann man auch recht wenig vorwerfen, denn handwerklich ist der Film absolut gelungen. Super Kamera, guter Score, Sets und Kostüme stimmen, trotz fast zweieinhalb Stunden Laufzeit gibt es keine Längen, technisch wirklich ein Film, wie man sich ihn nur wünschen kann … aber das Drehbuch ist absoluter Müll! Und das wurde ebenfalls von James Vanderbilt geschrieben. Selten habe ich einen Autorenfilmer das Ganze so verkacken sehen, was auch an dem durchaus sensiblen Thema liegen mag, dem er ganz offensichtlich nicht gewachsen war. Aber der Film hat mich furchtbar enttäuscht.


Wo sich sein Vorgänger noch wirklich und absolut ehrenhaft darin versuchte, beide Seiten zu beleuchten, also auch die deutsche Seite, die der Bevölkerung, bzw. die „Schuldfrage“, die sich jeder einzelne Bürger damals stellen sollte, ob man das Ganze hätte verhindern können, und wenn ja, wie? All das wischt „Nürnberg“ direkt in der ersten Szene mit einem Handstreich weg, indem man einen amerikanischen Soldaten zeigt, der auf ein mit einem Hakenkreuz verziertes Blech pinkelt. Großer Zapfen(hand)streich nennt sich das wohl. Ob man bei einem Weltkrieg, der immerhin so um die 70 Millionen Leben einforderte, unbedingt so einseitig an die Thematik rangehen muss … vielleicht auch, damit hierzulande die „Neue Rechte“ kein neues Futter bekommt, das ist eine andere Frage, die ich für mich allerdings wahrscheinlich verneint hätte. Aber es ist nunmal der Film geworden, der er jetzt ist ... leider.


Handwerklich topp, da gibt es nix zu mäkeln. Schauspielerisch ebenfalls. Russel Crowe als Hermann Göring liefert ein Beispiel dafür ab, zu was er wirklich imstande ist, Rami Malek, den ich vor dem Film ja für vollkommen fehlbesetzt hielt, der mich dann aber mit jeder Minute Leinwandpräsenz eines Besseren belehrte, ebenfalls. Wofür Michael Shannon, den ich durchaus für einen respektablen Schauspieler halte, allerdings so dermaßen für seine Leistung über den grünen Klee gelobt wurde und wird, entzieht sich mir schlichtweg. Er spielt passabel, nicht mehr aber nicht weniger, und allzu viel Screentime bekommt er auch nicht. Colin Hanks, der seinem Vater immer ähnlicher sieht, und James Slattery machen einen guten Job, genauso wie der Rest des Casts. Aber Richard E. Grant stiehlt in seinen zehn Minuten Screentime als Sir David Maxwell Fyfe eh allen die Show.





Worum gehts? Hermann Göring (Crowe) ergibt sich. Richter Jackson (Shannon) versucht, einen Prozess auf die Beine zu stellen, und Richard Kelley (Malek), ein junger Psychiater, soll die Psyche all der gefangenen hochrangigen Deutschen (neben Göring zB auch Dönitz, Ley und Heß) und deren Zurechnungsfähigkeit begutachten, man will eindeutig psychisch Kranken ja schließlich keinen Strick um den Hals legen.





Das war’s, darum geht’s. Das hätte man im Falle von Göring und Kelley natürlich auch wie einen Zweikampf mit Worten zeigen können … aber der Film verheddert sich in Briefen, die Göring seiner Frau und Tochter schreibt, Briefen, die Görings Frau und Tochter ihm schreiben, Briefen die von Kelley ins Gefängnis und aus dem Gefängnis geschmuggelt werden, nebst Klavierklängen vom Töchterlein … und 20 Minuten vor Ende rennt Kelley dann ganz aufgeregt zu Jackson und sagt: „Oh mein Gott, Sie Werden diesen Fall verlieren. Wenn Sie Göring in den Zeugenstand rufen, wird er Sie in der Pfeife rauchen!!!“ Nur deutet nichts, aber auch wirklich gar nichts, was der Film bisher gezeigt hat, auch nur im Entferntesten darauf hin, denn Göring wird als durchaus sympathischer Familienmensch portraitiert, als hollywoodtypischer Devil in Disguise, rhetorisch geschult, mit guten Manieren und Herzleiden. Und bis dahin macht der Film tausend Plots auf: Görings Familie, die geheimnisvolle Frau, die mit Kelley flirtet, Kelleys Zaubertricks mit Karten und Münzen, der amerikanische Übersetzer, der eigentlich deutscher Jude ist (Leo Goodall), die Kabbeleien zwischen Kelley und dem danach noch zusätzlich rekrutierten Psychiater Gustave Gilbert (Colin Hanks) undundund … der Film verschenkt das mögliche und mit Sicherheit packende (und leider viel zu selten in Szene gesetzte) Duell zwischen Kelley und Göring für etliche Nebenkriegsschauplätze (Wortspiel unbeabsichtigt!). Natürlich haben die beiden auch Szenen zusammen, nicht gerade wenig sogar, aber da duellieren sie sich kaum, da bringt Kelley Göring einen Münztrick bei oder man spielt Karten und spricht dabei über Gott und die Welt … nichts, aber auch wirklich gar nichts lässt einen vermuten, was für Sprengstoff Göring im Zeugenstand wirklich wäre, außer vielleicht in einer Szene, in der Göring seinen Antisemitismus mittels eines Kindheitserlebnisses erklärt. Und es kommt, wie es kommen muss: Göring raucht Jackson in der Pfeife, aber Sir David Maxwell Fyfe rettet in Mighty-Mouse-Manier the day.


Wirklich ärgerlich, was bei dem ganz offensichtlichen Können des Regisseurs und Drehbuchautoren (zB 2007 „Zodiac - Die Spur des Killers“), diesem wirklich guten und gut aufgelegten Cast und diesem sensiblen Thema dort liegengelassen wurde, was da verschenkt wurde für die Plattitüde, dass Nazis doof/schuld sind. Manches wird nur in Nebensätzen erwähnt, zB dass Deutschland durch den Vertrag von Versailles über Gebühr gedemütigt wurde und es eventuell auch deshalb zu Hitler kam, es wird angeschnitten, dass es völkerrechtlich doch ein paar Klippen zu umschiffen gab, um als faktische Besatzungsmacht einen Prozess in einem fremden Land gegen die Führer genau dieses Landes zu führen, gefällte Unrechtsurteile wegen „Rassenschande“ und „Schwachsinn“ (die mal in einem Nebensatz erwähnt werden), wie die Nazis sich damals die Justiz gefügig und zunutze machten (was mal in einem Nebensatz erwähnt wird - ohne das es das Dritte Reich aber gar nicht erst gegeben hätte) usw. (Görings sogenannte „Judenaktionen“, bei denen er mehrere Dutzend Juden wie Freiwild in einer pittoresken Landschaft zum Zeitvertreib abknallte, werden zB gar nicht erwähnt). Und die Verantwortung des Einzelnen, sprich: die Eigenverantwortung in einem totalitären System, dass es mit keinem gut meint … also genau das, was Göring im Film vorgeworfen wird, bleibt komplett unthematisiert, denn all das wird ersetzt durch themenfremdes Gelaber, ein paar Taschenspielertricks, eine dreiminütige Rede eines Gefreiten, die wohl Tränen in die Augen der Zuschauer treiben sollte, einen künstlich aufgebläht hektischen Oh-mein-Gott-die-Welt-geht-unter-wenn-Sie-Göring-in-den-Zeugenstand-rufen-Topos, der vorher einfach nicht unterfüttert wurde und durch das Portrait eines sympathischen Familienmenschen in Uniform (die anderen Nazis werden entweder als hirnverbrannt oder wimmernde und jammernde kleine Häuflein Elend dargestellt). Der Film nimmt sich vielleicht drei Minuten Zeit, „etwas“ von damals zu zeigen, nämlich Originalaufnahmen, wie zB ganze Leichenberge in einem KZ, die von Planierraupen in Massengräber geschoben werden … da kriegste zwar echt einen Knoten im Magen, wenn Du die Bilder siehst, und das Schlucken fällt Dir schwer, aber Du wirst einfach nicht das Gefühl los, dass sowas nur plakativ genutzt wird, um die eigene simple Böse-Nazis-These mit irgendetwas Realgeschichtlichem zu untermauern. Denn mit Aufarbeitung, die man von so einem Film erwartet, war es das auch schon. Du bekommst „Nazis = böse“ als alleinseligmachende Erklärung für die Greueltaten unsererdamaligerseits vorgesetzt.


Hollywood kann vieles, es kann zB einem Kannibalen eine ganze Film- und Fernsehreihe widmen und den Hauptdarsteller mit Ehrungen überhäufen, es kann Filme und Serien über den Teufel höchstpersönlich bringen und ihn so darstellen, dass man als Zuschauer Sympathy fot the Devil empfindet. Hollywood kann amerikanischen Massenvernichtungswaffen-Erfindern nicht nur ein Denkmal setzen, es kann diese Denkmäler sogar auf einem unangreifbar moralischen Fundament fußen lassen. Was Hollywood aber seit mindestens fünf Jahrzehnten nicht mehr kann, ist, das „Naziböse“ genauso ambivalent zu betrachten oder gar versuchen, zu erklären, wie all das andere, das „normale“ Böse auch. Jeder, der hierzulande an die Schule gegangen ist und wenigstens in jeder dritten Geschichtsstunde aufgepasst hat, weiß, dass Hitler damals nicht an die Macht kam, weil er böse war und die Deutschen zu der Zeit alle total auf das Böse abfuhren, wie so eine Art grundgermanischer Gendefekt. Aber anscheinend glaubt Hollywood das.


Damals war Versailles, bzw. der Vertrag von Versailles, absolut gebrochenes Selbstbewusstsein aller Deutschen, die den Vertrag bzw. die Entscheidung, dass Deutschland die alleinige Schuld am ersten Weltkrieg haben sollte, nicht verstehen konnten. Damals war auch flächendeckende Arbeitslosigkeit in einer Weimarer Republik, die zwar demokratisch aber bestenfalls auch nur halbfertig war. Und dann kam Adolf im Stechschritt! Er versprach allen Arbeit, und er hielt seine Versprechen auch, denn es ging allen zuerst auch wieder besser mit ihm an der Macht. Leibesübungen für alle? „Ach Gott, ein bisschen Bewegung kann ja nicht schlecht sein.“ Hitlerjugend? „Jo mei, wenns die Buam dadurch wieder a bissl Disziplin lern’, gern!“ Judenhass? „Ja gut, ich bin zwar nicht so der Hass-Typ, aber die Juden werden ja schon seit 2000 Jahren verfolgt, da muss dann ja was dran sein.“ Eintritt in die Partei? „Ja, wenn ich doch nur so an Arbeit komme, um meine Familie ernähren zu können, soll’s mir recht sein.“ Das wirklich Gruselige, nämlich diese perfide und hochintelligent gesteuerte Stück-für-Stück-Verwandlung einer Demokratie in den schlimmsten aller totalitären Staaten, wird nirgends mehr erwähnt oder filmisch aufbereitet.


Hollywood will heute anscheinend zwei Dinge nicht mehr wahrhaben: erstens, dass das erste Land, das Hitler überfiel, Deutschland war und zweitens, dass er vollkommen legitim, vollkommen legal und in vollkommener Übereinstimmung mit den damaligen (Notstands-)Gesetzen zum Reichskanzler ernannt wurde. Und dann gibt es da noch einen dritten Punkt: Armut macht Wut! Nichts in der Welt ist einfacher, als arme Menschen politisch zu radikalisieren, wirklich nichts - noch nicht einmal: nach einem Fußballspiel zu erklären, woran es gelegen hat! Und damals waren hierzulande fast alle arm, und wütend wird man dann zuallererst auf Ausländer. Damals gab es aber so gut wie keine Ausländer in Deutschland, da musste eine andere Volksgruppe für den Hass der christlichen Deutschen herhalten, und das waren eben die Juden. Sprung ins Jahr 2026 ins selbe Land: Arbeitslosigkeit ist nicht gerade gering, Armut ist noch weniger gering (die Regierung hat damals unter Merkel schon die Armutsgrenze nach unten verschoben, damit das nicht so auffällt, kein Witz!), wir haben einen Bundeskanzler, der Arbeitslose generell als faul bezeichnet, dito die arbeitende Bevölkerung, die es wagt, wegen eines gebrochenen Arms oder gar solcher eingebildeten Krankheiten wie Depression oder Burnout zum Arzt zu laufen. Man kann ihm dabei zusehen, wie er sich weigert, die Unter- und Mittelschicht zu stärken, während der Oberschicht die Steuern gesenkt werden, wohlgemerkt in einem Land, in dem die Reichen Jahr für Jahr immer reicher werden (ganz ohne Steuersenkungen) und die Armen immer ärmer … und dann wundert er sich und wir uns, warum die Partei der Alternativpolitiker stündlich Zuwachs erhält, obwohl Merz doch jetzt bestimmt schon dreimal gesagt hat, dass Nazis doof seien? Ja, total unverständlich.


Und genau deswegen könnte ich bei so einem filmischen Machwerk wie diesem hier regelrecht kotzen! Statt aufklärerisch zu wirken, statt wirklich zu versuchen, den Leuten klarzumachen, auf was wir (nicht nur in Deutschland) wieder zusteuern, denn es sind exakt die gleichen Prozesse zu beobachten wie damals mittlerweile (gerade gut zu erkennen in Amerika, wo die Regierung versucht, sich die Justiz zu eigen zu machen und Gesetze ändert, die dem politischen Gegner helfen könnten, Stichworte: "Project 2025" und "Gerrymandering"), wird stattdessen „Nazis = doof“ auf Buttons gedruckt und sich selbst dabei auf die Schulter geklopft, ob des eigenen „Kampfes“ gegen Rechts. Wenn ich die IMDB-Wertung von 7,4 sehe, weiß ich, dass die Wertung um 7,5 Punkte zu hoch angesetzt ist. "Faschisten können auch total liebe Väter sein." ... das möchte ich auch gar nicht bestreiten, aber ist das wirklich die Aussage, die man bei einem Film über die Kriegsverbrecherprozesse in Nürnberg erwarten kann oder gar sollte?





Back to topic: das ist weder Justiz- noch Psycho-Thriller noch ein, wie gerade erwähnt, dank der simplifizierten Betrachtungsweise, ein dem Thema angemessener Film. Das soll wohl ein Drama sein. Dramatisch ist allerdings nur das Scheitern des Films selbst … denn wenn wir jetzt mal all das außen vor lassen, was ich dem Film eigentlich vorwerfe, wenn wir jetzt nur den Film nehmen, dann steht er sich einfach nur selbst und seinem Plot im Weg, mir fehlt dahingehen wirklich eine halbe Stunde Filmzeit, die das auch untermauert, was es in der letzten halben Stunde erzählt. Und man sollte sich hüten, überhaupt Vergleiche mit dem großen Vorbild „Das Urteil von Nürnberg“ ziehen, weil der eine mit dem anderen nichts gemein hat. Denn „Nürnberg“ ist zwar groß gespielt, groß ausgestattet, aber minderwertig geschrieben. Zugegeben: seinem Vorbild ging es nicht um Göring, sondern um einen fiktiven deutschen Richter (Burt Lancaster), der dem amerikanischen (Spencer Tracy) am Ende des Films versichert, dass er nur Urteile gefällt habe, die ihm vorgeschrieben wurden, aber nie, niemals im Leben hätte er wissen KÖNNEN, was er damit lostritt. Und Tracy erwidert, dass er beim ersten Urteil, das er über einen Unschuldigen gefällt hat, es hätte wissen MÜSSEN. Das war und ist großes Kino, „Nürnberg“ hingegen ist seichte Unterhaltung mit dem unglaublich aufklärerischem Plot, dass Nazis böse sind … uuuuuuuuuuuuh! Der eine Film erklärt, dass Deutsche damals ganz sicher nicht alle die Verantwortung trugen für all das Leid, aber einen Teil Schuld durchaus dazu beigetragen haben, weil sie das einfach haben geschehen ließen und sich selbst dabei betrogen, indem sie sich andauernd einredeten, dass sie ja ex nix dagegen hätten tun können. „Nürnberg“ erklärt, dass Nazis böse sind … abermals: uuuuuuuuuuuuh!


Anstatt argumentativ sich mit der ganzen scheiß Thematik von damals auseinanderzusetzen, wie es „Das Urteil von Nürnberg“ gemacht hat, bringt man heute lieber einen Film raus, dessen Prämisse die ist, dass alle Nazis böse sind, und glaubt wahrscheinlich auch noch, man hätte damit Gutes bewirkt. Der Film verflacht das Kern-Thema, er kümmert sich nicht um moralische Komplexität oder historische Ambivalenz (obwohl in einem Nebensatz ja tatsächlich erwähnt wird, dass Amerika schließlich auch mit einem Knopfdruck mal eben ein paar Tausend Japaner weggebombt hat ... allerdings von Göring, also zählt das nicht). Er traut sich nicht, komplexe oder gar unbequeme Fragen zu stellen, sondern setzt nur auf das platte Nazis=böse-Schema. Der Film hätte ein psychologisches und ein moralisches Duell sein können, stattdessen wurde er eine Art krude Briefroman-Verfilmung mit Uniformen und der moralischen Gut-Böse-Demarkationslinie der Gangsterstreifen aus den 40er Jahren. Einer der wenigen guten deutschen Filme der Neuzeit, nämlich „Die Welle“ (2008) mit Jürgen Vogel ist dahingehend die unzweifelhaft bessere Wahl. Und wenn ich schon einen deutschen Film der Neuzeit empfehle ...


Gut gespielt, gut ausgestattet, aber deutscherschäferhundsmiserabel … regelrecht feige verfilmt, tut mir leid! Gerade heute, wo Geschichtsrevisionismus hart an der Grenze zur Geschichtsklitterung (Stichwort: „Hitler war Kommunist.“ von A. Hi… ääh Weidel) wieder salonfähig wird, wäre ein differenzierter Film wichtiger denn je. Ich würde ihn wenigstens gerne schauspielerisch empfehlen (können), denn Crowe und vor allem auch Malek, den ich wirklich sehr schätze und der hier die Bond-Bösewicht-Scharte eindrucksvoll auswetzt, zeigt, dass er mehr kann als „nur“ Freddy Mercury … aber erstens reicht keiner an Maximilian Schell oder gar diesen Wahnsinnsauftritt von Montgomery Clift (eine der größten courtroom scenes der Filmgeschichte!) im Vorbild heran, keiner der Figuren brennt sich Dir ins Gedächtnis, was allerdings wohl auch fast ausschließlich daran liegt, dass der Film es sich ärgerlicherweise wirklich sehr einfach macht mit der Moral und sich andauernd seinem eigenen Plot in den Weg stellt. Und zweitens sollte man sich gerade in der heutigen Zeit nicht auf die Schulter klopfen dürfen, wenn man das Narrativ „Nazis = böse“ als Neuerfindung des Rades oder gar als Heilung vor dem erneuten rechten Irrweg ganzer Völker verkauft. Mir tut es ein bisschen leid für Crowe und Malek, denn die beiden melden sich schauspielerisch wirklich eindrucksvoll in der Riege der Daueroscarverdächtigen zurück, aber beide haben das Drehbuch vorher gelesen, sie hätten es wissen MÜSSEN, dass das Schund ist und das Thema so nie und nimmer verfilmt werden darf.





Heute fällt es sehr, sehr leicht, über die damaligen Geschehnisse zu urteilen, sich moralisch dagegen zu positionieren. Doch bin ich mir nicht sicher, wie ich gehandelt hätte, wäre ich dieser Richter Ernst Janning aus „Der Prozess von Nürnberg“ gewesen. Denn es ging für ihn schon lange nicht mehr um „Urteile ich richtig oder falsch?“, sondern nur noch um „Urteile ich, wie es von mir verlangt wird, oder urteile ich gerecht und verliere deshalb womöglich Stellung, Besitz oder sogar Leben?“ Man glaubt Janning, dass er das nie im Leben gewollt hatte, das stand eh außer Frage. „Der Prozess von Nürnberg“ beleuchtet aber, ob er damit hätte rechnen können, ob er durch sein Zutun mit dazu beigetragen hat, dass Deutschland damals bis ins Unfassbare eskaliert ist. Es geht um die persönliche Verantwortung in einem totalitären System. „Der Prozess von Nürnberg“ beleuchtet eben genau diese ethische Grauzone. „Nürnberg“ hingegen beleuchtet ein hakenkreuzverziertes Stück Blech, auf dem sich ein G.I. erleichtert. Soviel zum Thema „beide Filme miteinander vergleichen“. Aber eines weiß ich mit Sicherheit: hätten mir das Budget und der Cast zur Verfügung gestanden, hätte ich den Stoff mutiger, unbequemer, aufgeklärter, aufklärender und wesentlich differenzierter verfilmt.





Kein Kucktipp! Schauspielerisch topp, handwerklich topp, aber ob der verschenkten Möglichkeiten, damalige und auch tagesaktuelle Politik betreffend, ein absolutes Ärgernis … ein 70 Millionen Toten gegenüber absolut respektloser Film, sorry!
 
Na toll, ich wollte was über meine letzten Gruselerlebnisse - "Never let go" und "Azrael" - die beide ganz ansehnlich sind, tipseln aber wie soll ich dagegen anstinken?

Naja, eines bleibt zu merken: Ein Historien-Schinken (der offenbar keiner ist), der vom Bill nicht abgesegnet wird, ist nix ;)
 
Na toll, ich wollte was über meine letzten Gruselerlebnisse - "Never let go" und "Azrael" - die beide ganz ansehnlich sind, tipseln aber wie soll ich dagegen anstinken?

Naja, eines bleibt zu merken: Ein Historien-Schinken (der offenbar keiner ist), der vom Bill nicht abgesegnet wird, ist nix ;)

Ich bin da total Deiner Meinung. Ich finde auch, wir könnten nach meiner fulminanten Filmkritik-Philippika das Forum direkt schließen, weil größer wird's hier nicht mehr! :cool::D
 
So Leute,

meine Film- und Serienauswahl war zuletzt eher durchwachsen, aber es gibt Hoffnung! Zumindest am Serienhimmel hat sich was getan:

"The Boys", Staffel 5 ist raus und was soll man schon gross sagen? Es ist immer noch blutig und eklig und blutig und eklig und... ja und es ist immer noch eine klasse Serie, wobei das Serienfinale (nach Season 5 ists aus) durch seine brutalsatirische Sichtweise auf das amerikanische Regierungssystem besticht.

Kucken lohnt sich auf jeden Fall.

Und dann? Dann kommt der eigentliche Grund für diese Zeilen: "Spider-Noir" (Prime Video).

Die Serie spielt in einem anderen Universum, in welchem in einem New York der 30er Ben Reilly (in den Marvel Comics ist Ben Reilly der Klon von Peter Parker) Spiderman ist. Vom Schicksal gepeinigt, nachdem seine große Liebe ermordet wurde, hat er seine Maske abglegt und keine Lust mehr auf den Große-Kraft-Große-Verantwortung-Quatsch. So schlägt er sich als Privatdetektiv durch, bis er eines Tages einen vermissten Mann suchen soll, der wie es scheint Superkräfte hat, währenddessen er noch einen weiteren Auftrag erhält, einer untreuen Ehefrau nachzuspüren...

Bin noch nicht durch, deshalb gibt es auch keinen grossen Spoiler, aber eines gibt es:

Die Serie wird, wenn man die erste Folge startet (man kann wechseln) sowohl in Farbe als auch in Schwarz-Weiß angeboten und IHR SOLLTET AUF JEDEN FALL die Schwarz-Weiß-Option wählen!

Ok, Nicolas Cage, der seine Rolle als alternder Superheld ziemlich gut ausfüllt, ist kein Bogey und "Spider-Noir" nicht die Jagd nach dem Malteser Falken, aber es ist dennoch ein Film (ok Serie) Noir und es passt einfach. Die Kamera spielt mit Schatten, das ganze 30er Setting, es gibt eine Femme Fatale und alles was das Herz des geneigten Filmfans höher schlagen lässt. Diese Serie muss man in Schwarz-Weiß kucken!

Bisher ein Kuck-Tip! :up:
 
So Leute,

meine Film- und Serienauswahl war zuletzt eher durchwachsen, aber es gibt Hoffnung! Zumindest am Serienhimmel hat sich was getan:

"The Boys", Staffel 5 ist raus und was soll man schon gross sagen? Es ist immer noch blutig und eklig und blutig und eklig und... ja und es ist immer noch eine klasse Serie, wobei das Serienfinale (nach Season 5 ists aus) durch seine brutalsatirische Sichtweise auf das amerikanische Regierungssystem besticht.

Kucken lohnt sich auf jeden Fall.

Und dann? Dann kommt der eigentliche Grund für diese Zeilen: "Spider-Noir" (Prime Video).

Die Serie spielt in einem anderen Universum, in welchem in einem New York der 30er Ben Reilly (in den Marvel Comics ist Ben Reilly der Klon von Peter Parker) Spiderman ist. Vom Schicksal gepeinigt, nachdem seine große Liebe ermordet wurde, hat er seine Maske abglegt und keine Lust mehr auf den Große-Kraft-Große-Verantwortung-Quatsch. So schlägt er sich als Privatdetektiv durch, bis er eines Tages einen vermissten Mann suchen soll, der wie es scheint Superkräfte hat, währenddessen er noch einen weiteren Auftrag erhält, einer untreuen Ehefrau nachzuspüren...

Bin noch nicht durch, deshalb gibt es auch keinen grossen Spoiler, aber eines gibt es:

Die Serie wird, wenn man die erste Folge startet (man kann wechseln) sowohl in Farbe als auch in Schwarz-Weiß angeboten und IHR SOLLTET AUF JEDEN FALL die Schwarz-Weiß-Option wählen!

Ok, Nicolas Cage, der seine Rolle als alternder Superheld ziemlich gut ausfüllt, ist kein Bogey und "Spider-Noir" nicht die Jagd nach dem Malteser Falken, aber es ist dennoch ein Film (ok Serie) Noir und es passt einfach. Die Kamera spielt mit Schatten, das ganze 30er Setting, es gibt eine Femme Fatale und alles was das Herz des geneigten Filmfans höher schlagen lässt. Diese Serie muss man in Schwarz-Weiß kucken!

Bisher ein Kuck-Tip! :up:


Oh, "Spiderman Noir" ist schon raus? :eek:

Steht definitiv auf meiner Watchlist ... aber "Die Spur des Falken" (1941) ist neben "Tote schlafen fest" (1946) und "Im Zeichen des Bösen" (1958) mein Lieblings-Noir ... aber wenn Du jetzt schon sagst, das ist weder Bogey noch Falke ... :(
 
Ich habe einen kleinen Tipp aus der ARD Mediathek. Das geht bei mir öfter mal unter aber guckt mal nach 'Helden der Wahrscheinlichkeit'. Das ist eine Dänische Produktion mit viel Drama aber auch Aktion. Alle Protagonisten haben mal wieder einen an der Klatsche aber trotzdem ist die Story nicht schlecht. Es geht um eine Art Schmetterlingseffekt und sich daraus entwickelnde Zusammenhänge. Alles beginnt mit einem geklauten Fahrrad und endet ... nach vielen Wendungen ... mit diesen Fahrrad unterm Weihnachtsbaum. Nein, das ist kein Spoiler und verrät nicht allzu viel. Ich finde diesen Film durchaus sehenswert.
 
Oh, "Spiderman Noir" ist schon raus? :eek:

Steht definitiv auf meiner Watchlist ... aber "Die Spur des Falken" (1941) ist neben "Tote schlafen fest" (1946) und "Im Zeichen des Bösen" (1958) mein Lieblings-Noir ... aber wenn Du jetzt schon sagst, das ist weder Bogey noch Falke ... :(

Ach, das ist schon ok so. Wer soll denn schon gegen diese Klassiker anstinken? Mein Favorit in der Liste ist auf jeden Fall "Tote schlafen fest" ("The big Sleep"), wobei man in "Spider-Noir" auch ein paar Einstellungen und Handlungsstränge hat, die stark an "Chinatown" erinnern.
 
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