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Fremder

biskini

Fremder

Vor einiger Zeit, stand ich wie jeden Nachmittag in meinem Saloon und putzte mit meinem Lappen über den Tresen. Meine Kunden kamen bei jeder Tages- und Nachtzeit. Egal ob morgens, mittags oder abends, ob es regnete, schneite oder die Sonne schien, sie waren alle da. Ich kannte jeden einzelnen von ihnen. Den einen persönlich, den anderen vom Sehen her. Alle kamen sie tagaus und tagein. In unserer kleinen Stadt passiert nie etwas, bis zu jenem Tag:

Als ich am Morgen aufwachte und ich mich aufmachte Wasser vom Dorfbrunnen zu holen um mich zu waschen, hatte ich schon ein seltsames Gefühl im Magen. Ich dachte, dass es von dem fettigen Wildschwein kam, welches es bei mir gestern im Saloon als Hauptgericht gab, und ich davon immer probieren musste, damit ich wusste wie es schmeckte und ich ruhigen Gewissens das Essen meinen Gästen anbieten konnte. Ich machte mir auch keine Gedanken darüber, dass ich total unruhig geschlafen hatte, weil ich eben alles auf dieses Wildschwein geschoben hatte. Hätte ich jedoch vorher gewusst, was alles an diesem Tag passieren sollte, wäre ich zu Hause geblieben und hätte meine Kneipe geschlossen gelassen. Ich war also unterwegs zum Dorfbrunnen um Wasser zu holen. Auf dem Weg dort hin, musste ich erst quer durchs halbe Dorf, aber Gott sei Dank ist unser Dorf ein 500 Seelen Ort, so dass es nicht groß war. Es waren schon eine Menge Leute unterwegs, so wie auch Großmutter Nanni. Sie war nicht wirklich meine Großmutter, aber jeder nannte sie so, weil sie so fürsorglich für jeden im Dorf war. Keiner wusste wirklich was über sie, man munkelte sogar, sie sei eine Hexe, die indianische Vorfahren hatte, und mit Ihren Ahnen sprach, doch ich gab nicht viel auf Gerüchte. Ich hielt kurz an, um ein kleines Gespräch mit ihr anzufangen, doch Nanni nahm mich gar nicht wahr und irgendwie war sie heute Morgen sehr seltsam. Sie nuschelte nur etwas vor sich hin von wegen Gefahr und unser aller Untergang, und dann erwähnte Nanni noch eine dunkle Macht, die über uns herein brechen sollte. Als ich sie freundlich grüßte erschrak sie leicht und wurde bleich im Gesicht. Sie brachte gerade noch ein „Guten Morgen“ heraus, dann drehte sie sich rum und verschwand in Richtung ihres Hauses. Bevor ich Nanni ganz aus den Augen verlor, drehte Sie sich um, und rief: „Hüte dich vor dem Horn des Büffels. Es will dir Böses. Wiederstehe der Versuchung, sonst bist du für unser aller Tod verantwortlich!“, dann fiel die Tür mit einem lauten Krachen ins Schloss.

Ich zucke zusammen und war etwas geschockt über den Ausspruch von Nanni. In meinen gesamten Lebensjahren hab ich sie noch nie so erlebt. Ich machte mir nur kurz noch Gedanken darüber, während ich weiter zum Brunnen lief, jedoch als ich ankam, verdrängte ich die Aussage und kümmerte mich darum, endlich meinen Eimer mit Wasser zu füllen, um mich waschen zu können. Als ich nun endlich wieder zu Hause angekommen bin machte ich mich fertig, um demnächst meinen Saloon öffnen zu können, denn ich war mir sicher, dass die ersten Gäste bald kamen um bei mir zu frühstücken.

[FONT=&quot]So wie ich es geahnt hatte, traf es auch ein. Es vergingen keine 5 Minuten, nachdem ich geöffnet hatte, als auch schon die ersten Gäste auftauchten. Manche bestellten gleich ein Frühstück noch während sie sich einen Platz suchten, andere kamen an die Theke und bestellten nur einen Kaffee. „He Wirt“ hörte ich plötzlich ich eine tiefe raue leicht provozierende Stimme hinter mir. Ich drehte mich um, und erblickte einen Mann. Er war mittlerer Größe, durchtrainiert und hatte schwarzes langes Haar. Die Lederkluft, welche er trug, war zerrissen und dreckig, über der Schulter hing ein Beutel, wo er wohl sein Hab und Gut drin verstaut hatte. Ich fragte den Mann was er wolle, denn der Tonfall der Stimme wie er mich angesprochen hatte, war nicht gerade freundlich gesinnt. Der Mann fragte mich wo man hier ein Zimmer mit Bad bekommen könnte. Da ich die einzige Unterkunft mit Gästezimmer im Ort besaß, konnte ich schlecht leugnen, dass es hier so etwas nicht gäbe. Ich fragte den Mann womit er bezahlen wolle, worauf er einen kleinen Beutel auf die Theke warf. Langsamen Schrittes ging ich auf den Mann zu, um anschließend nach dem Beutel zu greifen. Als ich den Beutel in der Hand hielt, fühlte ich, dass er aus Leder sein musste. Ich öffnete den Beutel und leerte den Inhalt auf die Theke. Es fielen mehrere Goldnuggets auf die Theke und während ich diese zu zählen begann, hörte ich den Fremden sagen, dass es 50 Stück sind, und es für 10 Tage reichen müsste. Ich nickte und gab ihm den Zimmerschlüssel mit der Zimmernummer 13. Normalerweise hätte ich dem Fremden kein Zimmer geben dürfen, denn das Gold hätte lediglich für 5 Tage gehalten, jedoch dachte ich mir, wenn der schon so heruntergekommen aussieht, dann will ich mal nicht so sein. Der Fremde nahm den Schlüssel dankend entgegen und ging die Treppe mit schweren Schritten hinauf.


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Der restliche Tag verging wie immer, die Gäste kamen und gingen, doch den Fremden sah man den ganzen Tag nicht. Am späten Abend, es dürfte so gegen 20.00 Uhr gewesen sein, kam der Fremde herunter. Er saß sich an den Tresen und rief mich zu sich.
Als ich bei ihm stand, bestellte er was zu essen und zu trinken. Auf meine erneute Frage wie er bezahlen wolle, stellte sich heraus dass er keine Goldmünzen mehr hatte, jedoch sagte er mir, dass ich für all meine Mühen bezahlt werden würde. Ich schaute ihn fragend an. Er merkte wohl, dass ich ihn etwas ungläubig anstarrte, und er bat mich erneut um etwas zu essen und zu trinken. Da ich jede Menge Mahlzeiten übrig hatte, welche ich eh nur den Schweinen zum Fraß vorgeworfen hätte, gab ich ihm was zu essen. Ich stellte ihm einen Krug Bier hin, welchen er ebenfalls dankend annahm. Als er leer gegessen hatte, lehnte er sich zurück und fing an, mich zu beobachten. Zuerst ließ ich mir nichts anmerken, doch als meine Gäste nun auch unruhig wegen des Fremden wurden und ein Gast nach dem anderem bezahlte und ging, dachte ich mir, dass ich ihn jetzt doch mal ansprechen müsste. Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und gesellte mich zu ihm. „He Fremder“ ging ich mit pochendem Herzen auf ihn zu, „ was verschlägt Sie hier her in unser friedliches Dorf?“ Der Fremde sah mich erleichtert an, so als habe er darauf gewartet dass ich ihn endlich ansprach. „Ich bin von weit hergekommen, habe jede Menge Freud und Leid gesehen. Weit bin ich gereist um dich zu finden.“ „Mich zu finden?“ fragte ich überrascht. Der Fremde nickte. „ Wieso haben Sie mich denn gesucht?“ stellte ich ihm neugierig die nächste Frage. „Aus dem Jenseits haben mich meine Ahnen gerufen, und mich zu dir geschickt. Ich soll dich 10 Tage lang auf die Prüfung vorbereiten und anschließend ins Tal der roten Sonne bringen, weit im Landesinneren.“ Ich war zuerst ziemlich verunsichert und versuchte mit einem gequälten Lachen das runter zu spielen. „Ha ha, ins Tal der roten Sonne willst du mich bringen? Durch das Apachenland? Seit Jahren führen die Indianer einen Krieg gegen die Weißen, bekämpfen die Farmer und Überfallen die ganzen Trapper!!! Da gehe ich doch nicht freiwillig hin“ „Das ist nicht wahr“ brüllte der Mann laut, und sprang dabei auf, „wir haben den Krieg mit euch Bleichgesichtern nicht angefangen, ihr wart es die nach Westen kamt um unseren Grund und Boden sich einfach anzueignen!“ Ich muss zugeben, dass ich ziemlich erschrocken bin, als der Mann so aufgesprungen ist. Ich sah in seine Augen. Gefüllt mit Trauer und zugleich voller Hass, starrten diese mich an. „Wir…wir…wir wollen … nicht den Krieg zwischen … den Indianern und den Weißen diskutieren … viel mehr … interessiert mich … was sie von mir wollen…“ stammelte ich heraus. Der Mann nickte und setze sich wieder. „Es tut mir leid“ sagte er, „ich wollte dich nicht erschrecken, aber es ist ein Irrglaube, dass der weiße Mann denkt, dass wir euch Böses wollen. Wir leben in Frieden mit den Söhnen dieser Welt, im Einklang mit der Natur und verteidigen unseren Lebensraum, den der weiße Mann uns nimmt“. Wir unterhielten uns lange bis spät in die Nacht herein, und er erzählte mir, dass er – Schnelles Pferd – der Sohn des mächtigen Häuptlings „Schlauer Fuchs“ von den Apachen sei, und das die Ahnen mit ihm Kontakt aufgenommen haben, damit er sich auf die Suche nach mir machen soll. Wir müssten gemeinsam am 11. Tage uns vor dem jüngsten Gericht einer Prüfung unterziehen, und nur wenn wir diese bestehen würden, dann könnten unsere Völker in Frieden miteinander leben. Um was es für eine Prüfung genau ginge wisse er auch nicht, nur dass er dazu aufgefordert wurde sich 10 Tage vorher mit mir zu treffen und sich mit mir darüber zu unterhalten und mich zu überzeugen, dass ich mit ihm gehen soll. Anschließend stand er auf, verabschiedete sich, und ging in sein Zimmer.

In dieser Nacht konnte ich nicht schlafen. Meine Gedanken kreisten um das Gespräch, um die Worte von Nanni und vor allem darüber, dass ich doch meinen bis dahin gut gehenden Saloon nicht so einfach verlassen konnte. Ich überlegte solange bis ich endlich einschlief.

Die nächsten Tage ging ich meinen gewohnten Trott, und auch öffnete ich meinen Saloon zur gewohnten Zeit, wie jeden Morgen, bediente meine Gäste und unterhielt mich abends mit „Schnelles Pferd“. Ich merkte wie wir immer häufiger von den Gästen angestarrt wurden, aber es war mir egal, denn irgendwas zog mich in seinen Bann, ihm seine Gespräche zu lauschen über das Leben als Indianer. Ich glaube es war der 9. Tag, an dem schnelles Pferd mich fragte, ob ich denn nun mit ihm komme, und als ich meinen Saloon anschaute, viel mir zum ersten Mal auf, dass an diesem Morgen nicht ein einziger Gast da sei, was sich den ganzen Tag über auch nicht ändern sollte. Als am Abend immer noch kein Gast kam, war mir klar, dass meine Kunden mich meiden würden, solange Schnelles Pferd hier sei. Da ich mich mittlerweile mit ihm angefreundet hatte, sagte ich ihm spontan zu.

Am nächsten Morgen waren wir beide sehr früh wach. Wir richteten uns, und ich verschloss die Türe, hing ein Zettel dran auf dem stand „Komme bald wieder - bis dahin geschlossen“ und dann ritten wir los. Mittlerweile hatte ich keine Angst mehr, das Gebiet der Apachen zu durchqueren, denn irgendwie vertraute ich Schnelles Pferd, dass er mich heil durchbringen würde. Gegen die Mittagszeit rasteten wir am Fluss in der Nähe des Wasserfalls, wo mir Schnelles Pferd erzählte, dass er hier von seinem Vater das Fischen lernte.

Später ritten wir weiter, und am Abend kamen wir an den Rand des Tals der Roten Sonne. „Morgen werden wir das Tal durchqueren und am Abend uns dem jüngsten Gericht stellen“ sagte Schnelles Pferd, „für heute wollen wir uns schlafen legen, damit wir ausgeruht sind.“ Ich nickte. Wir sattelten unsere Pferde ab, machten ein Feuer und schlugen unser Lager auf. Schnelles Pferd erzählte mir aus seiner Kindheit, und wollte anschließend von meiner Kindheit hören, wie ich aufgewachsen bin, ob ich Lesen und Schreiben kann, was aus meiner Familie wurde und vieles mehr. Wir erzählten uns viel, viel mehr, als die Abende vorher und irgendwie hatte ich das Gefühl, als kannte ich Schnelles Pferd schon ewig. Es war wie, als wäre er vorher schon immer da gewesen. Als ich mich dann schlafen legte, schaute ich in den Sternenhimmel und wusste, dass es das Richtige gewesen war, dass ich mitgegangen bin.

[FONT=&quot]Am nächsten Morgen weckte mich Schnelles Pferd. Die Sonne war grad am Aufgehen und die ersten Sonnenstrahlen schimmerten durch die Prärie. Wir richteten uns und machten uns auf dem Weg, damit wir pünktlich zu unserer „Prüfung“ erschienen. Ich war sichtlich nervös und war gespannt darauf, was mich erwarten würde, und auch Schnelles Pferd war nicht gerade gesprächig heute Morgen. Irgendwas schien ihn ebenfalls zu beunruhigen, man könnte sogar fast meinen, dass er wie in Trance war. Ob es doch so etwas gab wie Kontakt mit den Ahnen?[/FONT]
 

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Am frühen Nachmittag erreichten wir den Ort, wo wir uns dem jüngsten Gericht stellen sollten. Es war eine Art Felsplateau in mitten des Tals, welches sich hoch empor zog, dass die Spitze irgendwo in den Wolken verschwand. Irritiert schaute ich zu schnelles Pferd, der mir signalisierte, dass wir von hier zu Fuß mussten. Es war ein kleiner steiniger Pfad, welchen wir entlang wanderten. Wir hatten nur das nötigste Gepäck dabei, da uns ein kurzer aber dennoch ziemlich anstrengender Fußmarsch bevorstand. Zum Rasten blieb keine Zeit, wir aßen und tranken immer im Laufschritt und ich muss gestehen, es strengte mich unheimlich an, schließlich war ich keine 20 mehr. Schnelles Pferd merkte dies wohl, dass mich meine Kräfte langsam aber sicher verließen und gab mir eine Pflanze. „Lege diese dir auf die Zunge, achte aber darauf, dass du sie nicht zerkaust. Die Pflanzenblätter sind giftig, aber der Saft aus der Blüte gibt dir innere Kraft und Stärke.“ Ich wusste nicht recht ob ich die Pflanze wirklich in den Mund nehmen wollte, aber angesichts des Tempos welches Schnelles Pferd vorlegte, probierte ich es aus. Ob ich jetzt an Gift oder Erschöpfung starb ist eigentlich ziemlich egal – tot ist tot, dachte ich mir und nahm die Pflanze in den Mund. Es ging nicht lang, da merkte ich, wie meine Zunge anfing zu brennen, doch dieses Brennen sorgte dafür, dass sich in meinem Mund vermehrt Spucke sammelte, welche ich zusammen mit dem Blütensaft schluckte. Eine Wärme durchzog meinen Körper und breitete sich sehr schnell aus. Ich fühlte mich auf einmal wie frisch geboren, als könnte ich jetzt Bäume ausreisen, und auch meine Wahrnehmung war etwas verschärfter. Ich nahm einen kreischenden Adler wahr, der weit über uns seine Runden drehte. Irgendwie fühlte ich mich eins mit dem Vogel. Völlig unbeschwert marschierte ich weiter.

Die Sonne stand mittlerweile im Westen wo sie auch langsam wieder am Untergehen war, als wir endlich das Plateau erreichten, doch oben angekommen, war ich sichtlich enttäuscht. Außer Schnelles Pferd und mir war keiner da. Ich starrte in die Leere. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und drehte mich rum. Es war aber lediglich Schnelles Pferd. „Komm mein Freund, lass uns zum Feuer sitzen und warten bis wir unsere Aufgabe bekommen.“ Ich folgte ihm sprachlos und setzte mich ans Feuer, welches er mittlerweile entfacht hatte und blickte hinein. Schnelles Pferd kramte etwas aus seinem Beutel hervor und warf es ins Feuer. Es knisterte laut und knallte immer mal wieder wie wenn jemand mit einer Winchester geschossen hatte. Ich erschrak jedes Mal. Ich blicke zu ihm, und er begann zu tanzen. Mit wilden Gesängen und Sprüngen fing er an seine Ahnen zu beschwören und dann plötzlich – booom – mit einem lauten Knall kam eine riesige weiße Rauchwolke aus dem Feuer. Schnelles Pferd setzte sich, überkreuzte die Beine und schloss die Augen. Da ich nicht wusste was ich machen sollte, beschloss ich, einfach das nachzumachen, was Schnelles Pferd auch tat. Durch den Qualm der sich mittlerweile auf dem Plateau verbreitete, musste ich schrecklich husten, ich bekam keine Luft mehr und fing das Röcheln an und dann gingen bei mir die Lichter aus – ich wurde ohnmächtig.

[FONT=&quot]Als ich zu mir kam – ich weiß nicht wie lange ich ohnmächtig war – lag ich auf einer Wolldecke. Um mich herum waren viele Felle und eines bedeckte auch mich. Etwas benommen schaute ich mich um. Ich lag in einem Zelt, oder besser gesagt eine Art Zelt, so was in Richtung Tippi. Ich stand auf, und sah, dass ich eine Lederhose anhatte, die mir aber wohl nicht gehörte. Ich versuchte irgendwie klare Gedanken zu fassen, an was ich mich noch erinnern konnte, als eine junge Frau durch den Zelteingang kam. Sie lächelte mich an, und gab mir eine Schüssel. Sie zeigte mir mit Ihrer Hand, dass ich den Inhalt der Schüssel essen sollte. Dann verschwand sie wieder. Ein nettes junges Ding, dachte ich mir, während ich anfing zu essen. Als ich fertig war verließ ich das Zelt und ging hinaus. Nun, was soll ich sagen, es war jetzt nicht so, als würde ich mich wohl fühlen. Um mich herum waren alles Indianer und keine Spur weit und breit von Schnelles Pferd. Eine Horde Kinder rannten um mich herum und sprachen irgendwas, ich konnte es nicht verstehen. Ich lief etwas durch das Dorf, sah Frauen die Felle gerbten, oder Körner stampften, alte Indianer, die mich wortkarg anschauten und irgendein indianisches Kraut rauchten. Das junge Mädchen kam zu mir. „Fremder, wie heißt du“ fragte sie in gebrochener Sprache. „Ich bin Joe und du?“ „Ich bin weiße Taube, Tochter von Büffelhorn“……Ich blieb stehen…..Mein Herz pochte und ich wurde bleich. „Bü…Bü…Büffelhorn?“ stotterte ich. Sie nickte. Wie ein Pfeil schossen mir die Worte von Nanni durch den Kopf. Ich erinnerte mich, dass Nanni mich vor dem Horn des Büffels gewarnt hatte. Ist er vielleicht gemeint? Weiße Taube nahm mich an der Hand und führte mich zum Stammesrat, wo ich auch Schnelles Pferd wieder traf. Ich fragte ihn was passiert sei, und er erzählte mir, dass die Ahnen auf dem Plateau erschienen seien um die Prüfung zu offenbaren, und dass ich ohnmächtig wurde, und er mich in sein Dorf mitgenommen habe. Ich fragte ihn nach der Prüfung und er meinte, dass er selbst ein Opfer für einen Freund bringen müsste, damit der Fluch mit dem sein Stamm vor vielen Monden belegt wurde gebrochen ist, und diese in die ewigen Jagdgründe weiterreisen können. Solange dieser Fluch besteht, haben die Ahnen seines Volkes keine Ruhe und können nicht zu Manitu. Was auch immer das heißen mag, dachte ich mir, es wird sich schon irgendwie aufklären, da ich noch nicht wusste, was genau das mit mir zu tun hatte. Wenn ich aber nun schon mal die Gelegenheit hatte, ein Indianerdorf besser kennen zu lernen, mit Ihnen zu leben und zu jagen, beschloss ich einfach eine Weile dazubleiben, zumal ich an Weißer Taube auch einen Gefallen gefunden hatte, sehr zum Leidwesen ihres Vaters.[/FONT]
 

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So blieb ich also im Stamm wohnen und die Zeit zog ins Land. Immer mehr verdrängte ich die Realität, dass ich ja eigentlich ein Zuhause hatte, einen Saloon um den ich mich kümmern sollte, aber je länger ich blieb, desto mehr verstand ich die Indianer und ihr Dasein. Das Verhältnis zwischen mir und Weißer Taube wurde immer besser, während der Vater Büffelhorn immer mehr und mehr einen Hass auf mich schürte, denn ich war in seinen Augen nur ein Bleichgesicht, und wäre unwürdig seiner Tochter den Hof zu machen. Glücklicherweise war Weiße Taube da anderer Meinung. Eines Tages kam Schnelles Pferd zu mir und meinte, wir müssen auf die Jagd gehen, damit über den Winter genug zu essen da sei. Ich freute mich schon richtig darauf, denn es war das erste Mal, dass ich mit zur Jagd durfte. Allerdings war mir auch nicht ganz so wohl, denn auch Büffelhorn war dabei, und mir lief jedes Mal ein Schauer über den Rücken, wenn er mich mit seinem durchdringenden Blick anstarte. Als wir im Jagdrevier ankamen, bekam ich Pfeil und Boden und viele Einweisungen von Schnelles Pferd, wie man zum Beispiel Fallen aufstellt, Kojoten jagt oder sich mit Pflanzen beschäftigt, welches Heilpflanzen sind, und welche Beeren man essen kann oder lieber meiden sollte. Einige Tage befanden wir uns nun schon auf der Pirsch, als ich mich an einem Abend zu Büffelhorn ans Feuer setze und versuchte zwischen uns die Fronten zu klären. Ich fragte ihn, warum er so einen Hass auf mich hatte. Da erzählte er mir, dass vor sehr langer Zeit, er war selber in meinem Alter, er sich in eine junge Frau verliebt hatte. Er nahm sich diese zur Squaw und diese bekam dann Weiße Taube. Eines Tages kam ein Greenhorn aus dem Westen und seine Frau verließ ihn und zog mit dem Greenhorn weiter. Nur Weiße Taube blieb zurück. Seine Frau wollte nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Er hatte alles versucht sie zurück zu bekommen, aber statt dessen belegte die Frau den gesamten Stamm mit einem Fluch, und dieser Fluch könne nur aufgehoben werden, wenn der Sohn des Häuptlings eine Prüfung bestehen würde, die nur der Sohn des Häuptlings selbst kennt. Ich fragte ihn wer diese Frau war, und er beschrieb sie mir. Irgendwie kam mir die Beschreibung sehr bekannt vor, konnte aber nichts mit anfangen. Er erzählte auch, dass er seine Tochter beschützen will, damit diese nicht die gleiche Erfahrung mit mir macht. Ich versuchte ihn davon zu überzeugen, dass ich seine Tochter nicht enttäuschen will, und ich es ihm beweisen werde.

Die nächsten Tage verliefen ruhig. Wir jagten und zogen weiter, und ich wurde das Gefühl nicht los, dass Büffelhorn und ich immer ein besseres Verhältnis bekamen. Ich war stolz auf mich, dass ich es geschafft hatte, meine Furcht zu überwinden um mit ihm zu sprechen, doch beschäftigte mich auch die Beschreibung dieser Frau. Irgendwie kam mir diese Frau bekannt vor, aber ich wusste nicht woher.

Nach etwa 2 Wochen begaben wir uns auf die Rückreise ins Indianerdorf, als wir in einem Tal von einem Spähtrupp Kavalleristen entdeckt wurden, welche uns auch sofort angriffen. Ich versuchte diese aufzuhalten, doch sie waren Blind vor Hass auf die Indianer und so kämpften wir. Auch ich wurde von Ihnen angegriffen. Kugeln pfiffen um meine Ohren, Pfeile schossen wir zurück. Um mich herum starben die Männer und ich wollte nur, dass dieser Kampf vorüber ist, als mich plötzlich von hinten etwas ansprang und zu Boden riss. Ich wälze mich herum, und sah, dass Schnelles Pferd auf mir lag. Er wurde von einer Kugel in den Bauch getroffen. Ich zerrte ihn hinter einen Stein, während die Unterzahl an Soldaten flüchteten. Schnelles Pferd nahm meine Hand. „Freund“ hustete er, während Blut aus seinem Mund floss, „ich … habe mein … Opfer gebracht. Sage meinen Ahnen, der Fluch ist gebrochen“. „Schnelles Pferd, mein Freund...du darfst nicht….“ doch er hörte auf zu Atmen. In der Ferne hörte ich einen Adler kreischen. Tränen flossen mir übers Gesicht, denn ich verstand, welches Opfer er bringen musste. Büffelhorn kam zu mir und legte seine Hand auf meine Schulter. „Du hast gekämpft wie einer von uns, lass uns aufbrechen und die Toten mitnehmen“ sagte er mit zitternder Stimme. Wir sattelten auf und ritten weiter, die Toten im Schlepptau.

Als wir im Dorf ankamen überbrachten wir die traurige Nachricht dem Häuptling. Groß war die Trauer, denn viele gute Kämpfer haben ihr Leben gelassen. Am späten Abend wurden die Toten gewaschen und zum Heiligen Boden gebracht, wo sie bei Ihren Ahnen beigesetzt wurden. Der Häuptling sprach Beschwörungsgebete während die Frauen gleichbleibende Sätze murmelten. Am nächsten Tag, packte ich mein Zeug zusammen, um ins Dorf zurück zu kehren. Ich wusste wo mein Platz war, ich wollte zusammen mit Weißer Taube und den Indianern leben. Das Opfer von Schnelles Pferd sollte nicht umsonst gewesen sein. Ich ritt also in meine Stadt um mein Zeug zusammen zu packen. Der Saloon war bereits neu eröffnet worden, da ich meine Raten nicht bezahlt hatte, worauf die Bank den Saloon verkauft hatte, denn schließlich lebte ich fast 1 Jahr schon bei den Indianern. Ich hörte, dass Nanni an einem seltsamen Tod gestorben sei und da traf es mich fast wie ein Schlag. Natürlich, die Beschreibung von Büffelhorns Frau – das war Nanni. Mit einem Grinsen im Gesicht, verließ ich die Stadt. Ich wusste nun, wer Nanni wirklich war und mit Ihrem Tod und dem Opfer von Schnelles Pferd war auch der Fluch gebrochen.

Heute, nach nun mehr über 5 Jahre, lebe ich immer noch mit Weißer Taube zusammen. Wir haben 2 kleine Kinder, und der Häuptling hat mich selber als Sohn aufgenommen. Ich heiße nicht mehr Joe, sondern trage einen Namen, der soviel bedeutet wie „Freund der Indianer“. Büffelhorn akzeptierte mich als Schwiegersohn, wir verstanden uns mittlerweile richtig gut, doch die Geschichte mit Nanni jedoch behielt ich für mich.

Jede Woche besuche ich das Grab von Schnelles Pferd in der Hoffnung, dass auch ich eines Tages in der Lage bin mit den Ahnen Kontakt aufzunehmen, denn ich konnte ihm nie danken, dass er mein Leben rettete in dem er seines gab.
 
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DeletedUser27057

Danke

;)
 
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